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Das erste mal in Berlin war eine Nacht und Nebelaktion mit meinem ersten Ehemann.
Er hatte sich bei einem Motorradtreffen in eine Berliner Lehrerin mit roten Haaren verliebt.Bei seinem ersten Besuch in Berlin mit Motorrad, es stand noch die Mauer und diese Lehrerin wohnte in Berlin Kreuzberg, hatte sein Motorrad den Geist in Berlin aufgegeben.
Wir haben dann gemeinsam mit dem Auto und Anhänger das Motorrad in den Westen gebracht. Berlin habe ich damals von seiner schäbigsten Seite kennen gelernt.
Mit der roten Lehrerin wurde nichts, sie war ihm doch nicht schön genug.Und das Leben in Kreuzberg war so gar nicht sein Dingen. Er hatte schon damals einen sehr guten Geschmack bezüglich von Wohnungseinrichtungen.
Meine Trennungsgedanken wurden immer akuter. Denn meine erster Mann hatte so wunderbare Mickymausaugen, die jede Frau quasi um den Verstand brachten.
Es war nicht das erste mal das er immer wieder aus dem eigenem Nest ausflog um eine bessere Liebe zu finden oder wie man es benennen soll.
Das zweite mal in Berlin war ich mit einem anderen Mann, der auf Messen stand, da sein Geld verdiente, aber nie Geld hatte und trotzdem als Großkotz auftrat und es einige Träumer ihm abnahmen.Er kannte die besten Restaurants und hatte ein Händchen fürs süße Leben. Er wollte mich heiraten, aber ich hatte den Braten schon gerochen und trennte mich von ihm. Das hat er gar nicht vertragen und überzog mich mit Verwünschungen und Anzeigen.
Das war nicht lustig. Berlin war mittlerweile wie ein rotes Tuch für mich. Bloß weg hier von den häßlichen Hochhäusern und den lauten Menschen.
Das dritte mal in Berlin traf ich auf meinem Ehemann Nummer 3,der es damals noch nicht war.
Meine Mutter war schon zu diesem Zeitpunkt fast 30 Jahre tot.
Meine Mutter war eine spätgebärende mit fast 40 Jahren im Jahr 1952.
Ihre Mutter hatte sie nie kennen gelernt, meine Großmutter starb als meine Mutter 1 Jahr alt war.Das Leben meiner Mutter war mit viel Arbeit verbunden. Sie arbeitete auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Hof in Krickerhau. Eine deutsche Siedlung in der Slowakei.Ihr Wunsch später Nonne zu werden, hat sich nicht erfüllt, sie traf meinen Vater, ein großer schöner Mann, Musiker, Lebenskünstler und Witwer mit 2 kleinen Kindern.
So fängt meine Geschichte: Die Tränen meiner Mutter, an! Ich versinke in die Biografie meiner Eltern, meiner Schwester und in mein bisheriges Leben. Ich versuche soweit es geht in die Erinnerung einzutauchen.Ich nehme mir die Zeit.
Meine Schwester wäre am 6. Februar 2026, 80 Jahre alt geworden. Sie hat es leider nicht geschafft. Ein schwerer Schlaganfall hat sie wortwörtlich niedergestreckt.Auf der Suche nach Heilung hat sie viele Rückschläge erleiden müssen. Letztendlich hat sie sich für das sterben entschieden.Ihr Blick hat Bände gesprochen. Lasst mich gehen, dieses Leben ist nicht mehr lebenswert.Sie hatte sich entschieden ihren Sterbeprozess nicht künstlich zu verlängern.
Unsere Gespräche meistens am Telefon und meistens Sonntags waren nie lange, aber dafür besonders liebevoll erheiternd und so wertvoll. Diese Gespräche vermisse ich am meisten.
Vor kurzem habe ich mit einer alten Freundin,wir kennen uns jetzt 20 Jahre, darüber gesprochen wie wir unser Alter zufriedener machen können.Mut zum Lebenswandel.
Beide sind wir 74 geworden.
Wir haben vor in 2026 unsere Freundschaft zu feiern. Das haben wir auch getan. Fast wie eine Silberhochzeit. Wir werden einen schönen Ort suchen wo wir Wasser und auch alte Gemäuer sowie gutes Essen vorfinden.Alles gemacht nur nicht in Werder an der Havel, sondern im Münsterland.
Werder an der Havel. Diese Insel war mal meine Liebesinsel. Als mein Mann noch gut im Schuh stand, fest im Sattel und wir uns gemeinsam an den vielen schönen Dingen und Orte in Brandenburg erfreuen konnten,hatten wir das Hotel Prinz Heinrich an der Havel entdeckt. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Die schöne Frau Gast hatte gerade eröffnet und wir fühlten uns geborgen in diesem kleinen feinen Hotel.
Leben ist Wandel, die schöne Frau Gast ist nicht mehr Inhaberin des Hotel Prinz Heinrich, dafür ist Herr Scheibe jetzt der Herbergsvater.Der Frühstücksraum verwandelt sich abends in ein Restaurant welches sich mit den Jahren einen Stern erkocht hat. Herr Hübner Chefkoch war vor Jahren Koch im Bayrischen Haus in Potsdam und wurde sicherlich durch Herrn Dressel gut in die Sterneküche eingeführt.Die Alte Überfahrt ist nichts für Menschen mit kleinem Geldbeutel,obwohl die Küche ist einen Besuch wert. Am Anfang ihrer Karierre durfte ich einen Kochkurs bei Herrn Hübner und Herrn Schwatke besuchen. Kochkurse werden schon lange nicht mehr angeboten, dafür ist die Küche auch viel zu klein. Doch Werder an der Havel bietet mehr als nur ein Restaurant.
In Gedanken reise ich weiter nach Caputh. Schloss Petzow ist ein Gartenjuwel und bietet für jedes Gartenherz das richtige Obst und Gemüse.Eine Gartenidylle am Ufer des Schwielowsees. Regelmäßig werden Botanische Führungen im Schlossgarten angeboten.
Meine Gedanken schweifen ab, ich erinnere mich mit einem schmunzeln an unserem ersten Besuch im Hotel am Schwielowsee. Welches jetzt den Namen Precise Resort trägt.
2007 wurde es im Stil von Key- West durch den Hotelier Herrn Hilpert eröffnet. Viele Würdenträger kamen und gingen. Mein Mann und ich hatten uns einen Tisch reservieren lassen in diesem damals besagten Hotel. Das Essen war grotten schlecht und mein Mann hatte nachdem wir wieder zuhause waren Bauchschmerzen und Durchfall. Die gebratene Leberwurst war wohl schon in einem Alter, wo man Schimmel ansetzt.
Da war uns nicht nach lachen zu mute. Aber das ist Schnee von gestern und hatte keine Spätfolgen.
Spätfolgen.
Ich kann über meine Spätfolgen nachdenken und darüber schreiben. Unterhaltsam? Erbauend oder sehr nachdenklich mit Schmerz und auch Trauer und einer guten Prise Humor.
Es ist von allem etwas dabei. Mein Leben kann man lesen wie eine Menükarte. Vorspeise, Hauptgang und jetzt Nachspeise.
Spätgebärende!
Meine Mutter war schon fast 40 als ich zur Welt kam. Das war in einem Schaltjahr, ihr habe ich es zu verdanken das ich nicht alle 4 Jahre Geburtstag habe. Sie hatte Gas gegeben und ich wurde kurz vor 24 Uhr geboren. Die Hebamme hatte ihr wohl gut geredet auch ihr verdanke ich meinen Vornamen Annemarie. Eigentlich sollte ich auf Wunsch meiner Mutter Anna heißen. Heute ist der Vorname Anna nicht mehr so hart in der Aussprache.




